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Die Elemente – eine Einführung in die westliche und chinesische Elemente-Lehre

Von Susanne Zitzl

Die Theorie der Elemente ist fest in unserem Bewusstsein verankert, dienen diese Elemente doch als Urprinzipien

allen Lebens, aus dem die Stoffe zusammengesetzt sind. Auch wenn die moderne Wissenschaft diese Elemente

schon längst abgelegt hat und wir heute beispielsweise auch wissen, dass Feuer kein Element, sondern ein

chemischer Wandlungsprozess ist, kennt aber die moderne Naturwissenschaft mit den vier Aggregatszuständen

ähnliche Lebensbausteine (siehe Tabelle).

Auch in unserer abendländischen Astrologie und im Tarot spielen die vier Elemente eine große Rolle, sie bilden

sozusagen die Basis der einzelnen Grundbedeutungen. Hat man als Tarotkundiger die Elemente und die

Zahlenmystik sowie die Kombinationen beider Betrachtungsweisen einmal richtig verstanden, dann erübrigen sich

weitere Nachschlagewerke bezüglich der einzelnen Kartenbedeutungen. Sehen wir uns zunächst die Elemente

näher an.

Volle „Action“: Das Feuer

Das Element Feuer entspricht den Stäben im Tarot. Es steht für den

Tatendrang und die Energie in uns und symbolisiert Schöpferkraft,

Initialisierung und Impulsivität. Treten mehrere Stabkarten in einem

Kartenbild auf oder ist ein Horoskop „feurig“ geprägt, kann man davon

ausgehen, dass das Thema voller Energie ist und Handeln und Aktion,

aber auch fruchtbarer Neubeginn, angesagt sind.

Das Feuer ist notwendig, um uns Ansporn zu geben, uns zu Taten zu

bewegen und Ideen zu realisieren. Ein Überschuss an Feuer hingegen

kann uns zu impulsiven und unüberlegten Handeln verleiten.

Das richtige „Feeling“: Das Wasser

Das Element Wasser steht im Tarot für den Satz der Kelche, die manchmal auch – je

nach Kartendeck – als Becher oder Schalen bezeichnet werden. Das Wasser spiegelt

unsere Gefühle und Empfindungen wider, aber auch die Empfänglichkeit für die

Emotionen anderer sowie die Phantasien und das Irrationale spielen bei diesem

Element eine große Rolle.

Ohne Wasser wären wir phantasielos, kalt und ohne Einfühlungsvermögen. Ein Zuviel

an Wasser birgt die Gefahr der Träumerei und unrealistischen Erwartungen, lässt uns

launisch und unreif erscheinen.

 

Geistesblitze und Geniestreiche: Die Luft

Das Element Luft wird im Tarot durch die Schwerter dargestellt und

repräsentiert die Welt der Gedanken und Ideen. Die Luft zeigt also alles

Abstrakte an, sie gibt uns die Kraft des Unterscheidungsvermögens und

der Logik. Ein Kartenbild, welches ausschließlich aus Schwertkarten

besteht, lässt uns oftmals erschrecken, da die Schwerter die Welt des

kühlen Intellekts, aber auch der Prüfungen und Sorgen anzeigen. Aber

auch ohne Luft wären wir hilflos: wir brauchen die Kraft des Verstandes,

um mit notwendiger Subjektivität an Entscheidungen heranzugehen, Ideen

zu entwickeln und die Wahrheit zu finden. Ein Zuviel an Luft steht für den

bekannten „Luftikus“ und kann uns kühl und unbeständig, aber auch

kopflastig und sorgenvoll erscheinen lassen.

Down to Earth: Erde

Das Erdelement entspricht den Münzen im Tarot, die manchmal auch

als Pentakel oder Scheiben bezeichnet werden. Die Münzen drücken

die Bedeutung dieses Elements bereits aus: um den komplizierten

Tausch von lebensnotwendigen Gütern zu vereinfachen, führte man

den Geldhandel ein. Die Münzen stehen also nicht nur für alle

finanziellen Belange und Geschäfte, sondern generell für die Welt des

Greifbaren und Stofflichen; deshalb stehen die Münzen auch für

unsere Sinne. Das Erdelement verleiht uns Sinnlichkeit und Ausdauer

und sorgt für die nötige „Bodenhaftung“. Es unterstützt uns darin,

Dinge zu konkretisieren. Ein Zuviel an Erde birgt die Gefahr der

Schwerfälligkeit, Einfachheit sowie Hab- und Vergnügungssucht.

Ein verwandtes Konzept: die chinesische Fünf-Elemente-Lehre

In der chinesischen Kultur gibt es ein verwandtes Modell, das über folgende Grundelemente verfügt: Metall, Holz,

Erde, Wasser und Feuer. Diese fünf Elemente bilden den Grundstock für alle chinesischen Weisheiten, und gehen

weit über den Begriff der „Esoterik“ hinaus und erstrecken sich auf so uralte Disziplinen wie die traditionelle

chinesische Medizin, die Raumlehre Feng Shui oder das I-Ging-Orakel. Auch wenn sich die Elemente teilweise mit

den Prinzipien der westlichen Elemente-Lehre zu decken scheinen, lassen sie sich nicht vollständig übertragen, da

sie vereinzelt in der Bedeutung voneinander abweichen:

Holz: Das Element Holz steht für den Beginn, ähnlich einem Baum, der neue Blätter hervorbringt. Holz repräsentiert

das Schöpferische und Praktische und die Naturliebe. Die entsprechende Jahreszeit ist der Frühling, die

Himmelsrichtung ist der Osten.

Feuer: Wie in der westlichen Elemente-Lehre steht das Feuer auch hier für die Lebensfreude, Lebhaftigkeit und

Aggressivität. Die dazugehörige Jahreszeit ist der Sommer und die symbolische Himmelsrichtung der Süden.

 

Erde: Auch nach der chinesischen Philosophie repräsentiert die Erde Stabilität und Zuverlässigkeit. Das Element

Erde symbolisiert die Jahreszeit Spätsommer. Eine dazugehörige Himmelsrichtung gibt es nicht, die Erde steht

schlichtweg für die Himmelsmitte.

Metall: Dieses Element steht für Tatendrang und Fortschritt. Metall ist auch berechnend, entschlossen und auf

Erwerb ausgerichtet. Man könnte das Metall mit einer Mischung aus Erde und Luft vergleichen. Die dazugehörige

Jahreszeit ist der Herbst und die Himmelsrichtung der Westen.

Wasser: Im Gegensatz zur westlichen Astrologie ist hier nicht die Welt der Emotionen angesprochen. Wasser ist

klar, durchsichtig und voller Bewegung; außerdem ist es farblos und neutral – und hier liegt auch der Schwerpunkt in

der Bedeutung: Achtsamkeit, Mitteilsamkeit und Ruhelosigkeit spricht man dem Wasser zu. Die Chinesen ordnen

dem Wasser den Planeten Merkur zu, was einer Verwandtschaft mit dem Luftelement entspricht. Die Jahreszeit des

Wassers ist der Winter, die passende Himmelsrichtung der Norden.

In der chinesischen Fünf-Elemente-Lehre gibt noch eine sehr wichtige Theorie, auf der ALLE Funktionen in der

Astrologie, im I-Ging, im Feng-Shui uvm. basieren: Es geht hier um den „Wandlungsprozess“ bzw.

„Fütterungsprozess“ der Elemente untereinander. Gemeint ist hier eine wechselseitige Erzeugung bzw. gegenseitige

Vernichtung, die die Grundphilosophie bildet und so aussieht:

- Holz bringt Feuer hervor.

- Feuer erzeugt Erde.

- Erde hinterlässt Metall.

- Metall erzeugt Wasser.

- Wasser erzeugt wiederum Holz.

- Wasser löscht Feuer.

- Feuer zerstört Metall.

- Metall zerschlägt Holz.

- Holz zerstört Erde.

- Erde vernichtet Wasser.

Hat man sich diese Prinzipien verdeutlicht, wird klar, dass der Ansatz in der chinesischen Astrologie oder dem I-Ging

ein ganz anderer ist als in unserer abendländischen Elemente-Lehre. Die Elemente werden hier nicht nur kombiniert,

sondern die Ergänzung oder der Kampf untereinander spielen eine wesentliche Rolle: Ein von Wasser dominierter

Mensch besiegt einen Feuer-Typus, indem er dessen Ehrgeiz „auslöscht“. Ein Feuer-Mensch erobert sehr schnell

den Metall-Typus, indem er ihn buchstäblich zum schmelzen bringt, während der Metall-Typ den Holz-Menschen

durch offenen Angriff erobert usw...

Die Leserin oder der Leser hat hier sicherlich bemerkt, dass sich die chinesische Betrachtungsweise nicht unbedingt

mit unserer abendländischen Theorie mischen lässt, auch wenn sich die Wandlungsprozesse teilweise auch in

„unserer“ Lehre abbilden lassen. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Systeme, die sich bestenfalls ergänzen

und gut nebeneinander stehen. Trotzdem schadet es nicht, die „fremden“ Elemente zu beschnuppern und sich in

noch unbekannte Betrachtungsweisen einzulesen, geben sie doch auch Aufschluss über die Denkweise anderer

Kulturen.

Zur Übersicht eignet sich noch die nachstehende Tabelle...

Symbol Element Tarotsatz /

Farbe im

Kartenspiel

Zustand Zeichen in

der

Astrologie

Temperament Elementarwesen

Himmelsrichtung

Alchimistische

Entsprechung

Aggregatszustand

Feuer Stäbe / Kreuz warm Widder,

Löwe,

Schütze

Choleriker Salamander Süden Schwefel Plasma

Wasser Kelche /Herz feucht Krebs,

Skorpion,

Fische

Phlegmatiker Undinen Westen Flüssigkeit

Luft Schwerter / Pik kalt Zwillinge,

Waage,

Wassermann

Sanguiniker Sylphen Osten

Mercurius

(Quecksilber)

Gas

Erde Münzen / Karo trocken Stier,

Jungfrau,

Steinbock

Melancholiker Gnome Norden Salz Festkörper

 

Literatur zu den Elementen - meine persönliche Schatzkiste:

Westliche Elemente:

„Die vier Elemente in Astrologie und Tarot“ von Hajo Banzhaf

(Hervorragender Überblick und Standardwerk zu den Elementen)

„Tarot als Lebensweg“ von Karen Hamaker-Zondag

(eine etwas andere Betrachtungsweise der einzelnen Tarotkarten)

Chinesische Elemente:

„Die Pflaumenblüten-Numerologie“ von René van Osten

(Einführung in die chinesischen Elemente eines sehr guten Kenners)

„I Ging – Das Buch der Wandlungen“ von Richard Wilhelm

(unschlagbarer I-Ging-Klassiker)

 

 

www.tarotworld.com

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